Nachkriegszeit – nicht für alle gleich gut

Was die Gerda über die Nachkriegszeit erzählt – die Nachkriegszeit

Als wir noch in Salem waren hieß es irgendwann, dass der „Feind“ kommt. Auf dem Gelände in Salem gab es einen Keller voll mit Zigaretten, Tabak und Wein. Weil der „Feind“ kam, wurde diese Ware freigegeben. Mein Bruder Otto und ich gingen zunächst und holten einige Packungen. Diese wurden uns aber bis auf eine von anderen Deutschen wieder weggenommen. Daraufhin haben wir den Kinderwagen geholt und sind zurück zum Keller. Otto hat mir durchs Fenster Zigaretten und Tabak in den Kinderwagen geworfen.

Die Beute haben wir in unseren Räumen in aufgetrennten Matratzen versteckt. Obwohl die Franzosen unsere Räume durchsucht haben, haben sie die Zigaretten nicht gefunden. Irgendwann ging es dann mit anderen Freiburgern auf einem offenen Lastwagen zurück nach Hochdorf. Mit dabei war ja auch meine älteste Schwester, die, die den Lothar gerettet hatte. Sie war nach wie vor so schwach und hatte viel Blut verloren, dass sie kurz nach unserer Rückkehr im Mai oder Juni 1945 verstarb.

Unsere Mutter hat, um uns durchzubringen, gehandelt und ist weit rumgefahren. Sie fuhr bis ins bayrische und hat dort getauscht und „gehamstert“. Wir hatten ja als Tauschware den gesamten Tabak und die Zigaretten. So konnten wir einigermaßen überleben.

Als meine Schwester gerade gestorben war, kam irgendwann der Hochdorfer Bürgermeister in den Kindergarten, wo wir wohnten. Ich weiß nicht mehr, ob es Bürgermeister Fischer war. (es muss der eingesetzte Bürgermeister Fridolin Kümmerle – 1945 bis 1949 gewesen sein) Ich weiß noch, dass es sagte, dass wir jetzt raus müssen, weil der Kindergarten wieder eröffnet wird und gebraucht wird. Als meine Mutter fragte, wohin wir den sollen, meinte er, wir könnten ja in den Darriwald gehen. So blieb und nichts anderes übrig, als in unser zerstörtes Haus zurück zu gehen und dieses behelfsmäßig herzurichten.

Mit einer Beihilfe von 45 Mark (nach heutiger Kaufkraftberechnung entspricht das etwa 170 €) pro Familienmitglied. Meine Mutter hat davon Zement gekauft. So hatten wir wieder eine schöne Treppe und gute Böden im Haus. Aber dann mussten wir feststellen, dass das Mauerwerk durch die lange andauernde Nässe im zerstörten Haus mit Pilz befallen war. Der Schaden war nicht zu beheben. So mussten wir das Haus abreißen und haben das jetzige Haus gebaut.

Meine Mutter hat dann in der Rhodia gearbeitet. Meine fünf kleineren Geschwister musste ich versorgen. Nach dem Neubau des Hauses waren wir sehr arm. Die Hochdorfer haben uns gemieden. Wenn wir z.B. beim Tanzen waren, dann hat mich keiner aufgefordert. Es ging sogar so weit, dass einmal ein Hochdorfer und ein Polizist zu uns kamen und bei uns nach Diebesgut gesucht hat, weil in Hochdorf etwas gestohlen worden war. Sie haben erzählt, dass ein Ochse geklaut worden sei.

Ich habe die beiden davongejagt.